Wildseide
Die Seidenstraße führte einst durch Syrien und war eines der wichtigsten Handelsrouten zwischen dem Orient und dem Oxident. Damaskus war dabei der Knotenpunkt, wo Unmengen an Handelsgütern umgeschlagen wurden. Wie der Name schon sagt, war eines der wichtigsten Handelsgüter die Seide. Ursprünglich wurde Seide im tiefen Orient produziert und auf der Seidenstraße gen Westen und somit nach Europa transportiert. Dadurch waren die Händler in Syrien direkt an der Quelle dieses wunderbaren Materials und erlernten schnell die Verarbeitung, in der sie sich mit der Zeit spezialisierten. Nach kurzer Zeit entstanden ganze Ateliers in Damaskus und entlang dem syrischen Teil der Seidenstraße, wo die Seide verarbeitet und als Fertigprodukt nach Europa geschifft wurde. Nach dem Zerfall des Byzantinischen Reiches begann die Seidenindustrie jedoch erheblich zurück zu gehen. Der Industriezweig etablierte sich weltweit, was zur Folge hatte, das die Nachfrage genauso wie der Preis erheblich sank und nicht mehr profitabel war. Auch die Einführung von maschinellen Hilfen machte der Seidenindustrie in Syrien große Probleme. Die Nachfrage verlegte sich jetzt auf Materialien, die leicht maschinell herzustellen waren. Seide war jedoch nicht darunter.
Doch zum Glück blieb das Gewinnen und Verarbeiten von Seide ein wichtiger kultureller Bestandteil der Syrier und konnte sich so bis heute gut erhalten.
Das Zentrum der heutigen Seidenverarbeitung findet man in der Stadt Latakia. Hier werden noch oft traditionelle Methoden benutzt, um die Seide herzustellen. Im Frühjahr werden die Seidenraupen überall in Syrien kultiviert, hauptsächlich in der Oronto-Fluss-Gegend. Sind sie fertig sich zu verpuppen, werden die Kokons eingesammelt und die Seidenspinner durch kochendes Wasser abgetötet und so vom Seidenkokon gelöst. Diese Seidenkokons werden gesammelt und an entsprechende Seidenmühlen weitergegeben, die daraus den begehrten Seidenfaden spinnen und ihn färben. Doch viele werden heute auch noch von Hand versponnen. Wildseide entsteht aus den Kokons bereits geschlüpfter Schmetterlinge.

